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Sonntag, 03.09.2006

Erholt standen wir gegen 8 Uhr auf. Die ganze Nacht über hatte es geregnet, aber jetzt war der Himmel nur noch grau und erste blaue Löcher kündigten einen schönen Tag an. Der Wind säuselte sanft durch die Blätter uns es schien ein guter Tag für eine Seeüberquerung zu werden. Zuerst wollten wir uns aber den Ort anschauen und noch einige Dinge einkaufen, die wir gestern vergessen hatten.


Kesh - End of Navigation

Kesh besteht eigentlich nur aus ein paar Häusern, hat aber dafür zwei große Supermärkte, die beide trotz Sonntag geöffnet hatten. Dann gibt es noch eine riesige Polizeistation, die eher einer großen Kaserne gleicht oder eben der Polizei einer Großstadt. Wir lästerten ein wenig, dass die Menschen von Kesh wohl hochgradig kriminell und kaufsüchtig seien und je zwei Verkäufer und zwei Polizisten auf jeden Einwohner kämen.

Zurück auf dem Boot starteten wir den Nannidiesel und legten ab mit Kurs „Lusty Beg“. Auf dem River wiegten sich die Bäume im Wind und ich hatte schon so meine Bedenken. Dennoch schwenkten wir auf dem See auf unseren Kurs ein. Das Geschirr klapperte munter, das Boot wackelte …. the same procedure as yesterday? Nicht wirklich!

Plötzlich spritzte Wasser über die Fly und das Boot neigte sich derart zur Seite, dass ich das Gefühl bekam wir würden kippen. Im gleichen Augenblick riss uns eine andere Welle in die entgegengesetzte Richtung und das Boot kippte in ein Wellental so das der Bug von der Welle überspült wurde. Gerade noch hielt ich mich am Lenkrad fest um nicht aus dem Sitz gerissen zu werden. Entsetzen und Panik machten sich breit und lähmten mich für einen Augenblick völlig.

Dann kam die Erkenntnis – runter vom See und zwar schnellstens, doch sobald ich versuchte den Bug in Richtung Cleenishgarve und damit zur rettenden Ausfahrt zu drehen wurde das Rollen noch schlimmer. Irgendwie mussten wir aber dahin kommen und das konnte nur gelingen wenn wir es schafften die Wellen von vorne zu bekommen. Ich drehte den Bug Richtung Lusty Beg was uns zwar noch weiter auf den See hinaus führte, aber dafür hatten wir die Wellen direkt von vorne. Das Boot vollführte wahre Bocksprünge, aber dafür war es nun wieder kontrollierbar.

In einem Moment in dem mit die Wellen gerade nicht ganz so hoch erschienen machte ich einen 180 Grad Turn und konnte nun im geraden Kurs und mit den Wellen von hinten auf den Marker 62 M zufahren. Mit Vollgas ging es vorbei an den Gummibällen und im Windschatten der Inseln flüchteten wir nach Castle Archdale, wo wir bleich aber glücklich am kleinen Public Jetti anlegten. Dieser ist hier nur ein einzelner Steg während der Rest private Liegeplätze sind.


Anleger bei Castle Archdale Marina

Kurz nach uns kam noch eine Penichette mit einer Düsseldorfer Crew an. Diese Crew war fertig mit der Welt. Alle hatten sie wohl schon mit ihrem Leben abgeschlossen und waren ebenso glücklich wie wir Castle Archdale erreicht zu haben. Sie erzählten uns, dass sie schon seit Jahren in Frankreich Bootsurlaub machen, aber so etwas hätten sie noch nicht erlebt.

Trotz des heftigen Windes war das Wetter traumhaft schön und wir wollten diesen Tag auch weiterhin nutzen. Wir besuchten den Forest Park mit seinen wunderschönen alten Bäumen, an deren Blättern man schon deutlich die Zeichen des herannahenden Herbstes sehen konnte. Der Weg führte uns am Seeufer entlang wo die Wellen laut klatschend an die Uferböschung prallten und dabei in tausende Tropfen zerbarsten die in der Sonne wie Diamanten funkelten. Beinahe bekam man das Gefühl am Meer zu stehen.


wunderschönes Wetter, aber heftige Wellen

Überall waren die Brombeeren reif und am Ende unserer Wanderung hatten wir beide ganz blaue Finger.
Im „neuen“ Castle Archdale, einer ehemaligen Kaserne der Royal Air Force aus dem zweiten Weltkrieg erfuhren wir dann noch, dass von hier aus Wasserflugzeuge zur U-Boot Jagd aufgestiegen waren und so strategisch mitentscheidend für die Schlachten um den Atlantik waren. In einem kleinen Museum kann man sich anhand von Schautafeln und einiger Exponate darüber informieren.

Eigentlich wollten wir ja das alte Castle besuchen, aber der Weg war uns nun doch zu weit und so machten wir uns auf den Rückweg. Wieder auf dem Boot wollten wir aufbrechen, diesmal mit dem Ziel Enniskillen. Wir fuhren also hinaus, doch kaum kamen wir aus dem Windschatten der Bucht heraus hatten wir wieder riesige Wellen. An ein Weiterkommen war also auch in südliche Richtung nicht zu denken. Resigniert drehten wir ab und legten wieder an. Um 17:30 schoben wir dann die Lammkeule in den Ofen.

Das Wetter war immer noch herrlich sonnig, doch der Wind pfiff weiterhin mit aller Macht über den See. Wir entschieden auf weitere Versuche zu verzichten und den Tag hier ausklingen zu lassen. Dennoch ließen wir erst gar keine miese Stimmung aufkommen. Die Lammkeule mit viel Knoblauch, Bohnen und frischen Kartoffeln tröstete uns über den verkorksten Tag hinweg und mit zufriedenen Gesichtern endete der Tag mit einigen Dosen Guinness und ein paar Runden Backgammon.


leckere Lammkeule zum Abendessen

 

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