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| Montag, 04.09.2006
Da der Wind in Irland meistens in den Morgenstunden nachlässt hatten wir uns den Wecker auf 6 Uhr gestellt. Zu früh, wie sich heraus stellte, denn es war noch dunkel. Wir schliefen noch mal eine Stunde. Das frühe Aufstehen sollte sich lohnen. Kurz nach sieben löste ich die Leinen und fuhr in beinahe Windstille vom Anleger hinaus auf den See. Spiegelglatt lag die Wasserfläche vor uns als hätte noch nie ein Lufthauch gewagt sie zu kräuseln. Nichts erinnerte mehr an die tosenden Wogen des Vortags. Langsam durchschnitt unser Kiel das Wasser und bahnte sich seinen Weg durch das Zwielicht in dem die Geister der dunklen Nacht den erwachenden Strahlen der Sonne weichen mussten. Es war traumhaft schön und zukünftig werde ich wohl immer einen Tag pro Urlaub so früh losfahren. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis.
Wir kamen nach Enniskillen und wollten zum Shopping Center, doch die linke Zufahrt wurde von Bojen gesperrt. Also mussten wir rechts um die Insel herum fahren. An den Booten der ehemaligen Lochside Marina vorbei, die immer noch zum Verkauf stehen, fuhren wir halbkreisförmig bis zur Abzweigung zum Shopping Center. Da sahen wir dann auch die schwimmende Wurst mit der Aufschrift „Welcome to the Worldcup Waterski“. Offensichtlich hatten am Wochenende die Weltmeisterschaften im Wasserski hier in Enniskillen stattgefunden. Endlich am Shoppingcenter angekommen, stießen wir gleich noch einmal auf eine Barriere. Überall am Shopping Center wird gebaut und man muss durch die Baustelle um die ganze Anlage herumlaufen um zum Eingang zu gelangen. Wir wären diesmal auch nicht mit dem Einkaufswagen zum Boot gekommen, aber zum Glück brauchten wir nicht viel und so war es kein Problem.
Das Wetter wechselte heute munter zwischen Wolken und Sonne und war sehr angenehm. Der Wind hatte auch nicht mehr aufgefrischt und so machte das Fahren riesen Spaß. Weiter ging es bis Carrybridge wo wir Rast machten, Kaffee tranken und meine Oma anriefen um ihr zum 96ten Geburtstag zu gratulieren. Hier wurden wir auch endlich unseren Müll los, denn in der Marina von Castle Archdale hatte es keine Container gegeben, oder wir haben sie einfach nicht gefunden. Im Sonnenschein ging die Fahrt weiter. Vorbei an Kühen, Schafen, Schwänen und Enten ging es bis Marker 34A1. Hier wird aus dem beinahe zu einem Fluss gewordenen Erne wieder ein See. Landschaftlich ist es ab hier eine der attraktivsten Stellen im Ernegebiet. Unzählige Routen sind zwischen den vielen Inseln möglich und da es kaum wirklich übersehbare Gefahrenstellen gibt macht das Navigieren hier besonderen Spaß.
Dennoch sollte man die Karte gut im Auge
behalten, damit man sich nicht verfährt. Uns passierte das z.B. bei Marker
32 B. Geplant hatten wir oberhalb von Naan Island vorbeizufahren, waren
dann aber auf einmal bei Marker 31B unterhalb. No Problem, auch auf dieser
Route ging es weiter. Im Castle Archdale hatten wir von Überresten von Hochkreuzen gelesen, die es in Galloon geben sollte. Etwas skeptisch waren wir da schon, da wir vorher noch nie davon gehört hatten, aber wir fanden die beiden abgebrochenen Kreuze fast direkt am Anleger auf einem kleinen Friedhof. Viel spannender war allerdings der Friedhof selbst. Wir fanden Grabsteine aus dem frühen achtzehnten Jahrhundert mit den klassischen Symbolen des Barocks, dem Totenschädel und der Sanduhr.
Dann fanden wir noch einen Grabstein von 1990 und stellten fest, dass dieser den gleichen Nachnamen Mc Donahan trug wie der von 1720. Davon überrascht untersuchten wir die anderen Steine und fanden fast ausschließlich diesen Namen. Es schien sich hier um einen Familienfriedhof zu handeln mit den Angehörigen aus drei Jahrhunderten. Falls die Hochkreuze auch schon von dieser Familie stammten sprechen wir vielleicht sogar von 1000 oder mehr Jahren. Schwer beeindruckt wanderten wir zurück zum Boot. Nach einigen Runden Backgammon gingen wir an diesem Abend früh ins Bett. Wieder hatte Regen eingesetzt und sollte, wie schon gestern die ganze Nacht anhalten. |
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