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| Mittwoch, 06.09.2006
Wir machten uns auf den Dolmen von Keshcarrigan zu suchen. Hierzu durchquerten wir den Ort und mussten dann noch ungefähr 3km die Hauptstraße entlang laufen. Es ist ein schöner Spaziergang, da man immer wieder die Aussicht auf den See genießen kann. Im Vorbeigehen sieht man auch die Stelle an der die Erne Seezeichen auf die des Shannon wechseln. Der Weg führte uns vorbei an einer seltsamen Statue, die aussieht wie eine keltische Gottheit, aber aus neuerer Zeit stammt. Sie soll an irgendeine Legende erinnern die wir aber noch nicht gehört hatten. Das Denkmal wurde von der irischen Präsidentin höchst persönlich enthüllt. Wir gingen weiter zum Dolmen, dessen Entstehung weit älter ist als die keltische Legende. Noch immer umstritten ist ob es sich bei den Dolmen um reine Begräbnis- oder aber um Kult- und Opferstätten handelt. Kurz vor dem Dolmen trafen wir an einem Grundstück auf eine schneeweiße Katze, aber als wir sie streicheln wollten nahm sie laut maunzend reiß aus. Wir gingen zum Dolmen. Dieser besteht aus einem großen Abdeckstein der im Lauf der Jahrtausende zerbrochen ist und in den das Regenwasser tiefe Krater gespült hat, in denen jetzt allerlei Kräuter und Blumen wachsen. Die Stützsteine sind mittlerweile auch umgestürzt und so wirkte das ganze eher wie ein einfacher Steinhaufen.
Dennoch strahlte der ganze Platz eine mystisch, spirituelle Stille aus, als wäre er ein wenig der Zeit entrückt worden. Plötzlich war auch die Katze wieder da. Wir fanden das sehr passend, denn auch wenn die Katze vor 3000 Jahren in Europa noch keine Bedeutung hatte so war sie doch in Ägypten zu dieser Zeit die Wächterin zu den Pforten der Unterwelt. Wo sollte diese Wächterin hier in Irland also besser platziert sein als bei einem Dolmen? Wir spielten noch eine Weile mit der Katze die sich nun gar nicht mehr scheu sogar hochnehmen lies und gingen dann zurück zum Boot.
Mit den Leuten der Cornflower kamen wir nochmals kurz ins Gespräch und da sie heute nur noch nach Leitrim fahren wollten, hatten wir das mit Glasson gestern wohl falsch verstanden. Weit waren wir gekommen, aber langsam galt es den Rückweg zu planen, also fuhren wir den Kanal entlang wieder in Richtung Erne. Unseren Schleusenwärter trafen wir leider nicht mehr und so mussten wir die drei Euro in den Taschen behalten. Das Wetter wechselte jetzt munter zwischen Regenjacke, T-Shirt und Wollpullover, aber meistens war es doch eher sonnig, so dass wir immer außen fahren konnten. An Schleuse 8 fuhr vor uns eine Barge in die Schleuse. Die Crew tat sich sehr schwer mit dem Boot und rammte sich Stück für Stück die Schleusenmauer entlang. Nach der Schleusung fuhren sie dann mit dem Boot in die Uferböschung und das Crewmitglied das die Schleuse bedient hatte brachte sich mit einem olympiareifen Sprung zurück an Bord. Sie ließen uns dann überholen mit der Bemerkung, dass wir schneller wären. In Wirklichkeit wollten sie wohl eher sicherstellen, dass wir in der nächsten Schleuse die Bedienung übernehmen würden.
An Schleuse sieben setzte ich Stephanie ab, die immer die Schleusenbedienung übernahm und fuhr in die Schleuse ein. Wie mit einem Lasso fing ich mit der Heckleine im Vorbeifahren einen Poller ein und drehte den Bug mit dem Bugstrahlruder an den Kai. Innerhalb von Sekunden stand das Boot wie eine Eins. Die Crew der Barge zollte mir stillen Beifall und ich war stolz wie Oscar das es geklappt hatte. Die Barge legte in Ballinamore an und wir setzten die Fahrt alleine fort. Lock 6 und 5 erledigten wir im Vorbeifahren. An Lock 4 fuhr eine große Penichette in die Schleuse und da die Schleuse sehr klein ist passten wir nicht mehr mit hinein und mussten warten. Die Norddeutsche Crew war sehr seemännisch. Während des ganzen Schleusenvorgangs erteilte der Käptn mit kraftvoller Stimme, als rufe er über das Deck eines Flugzeugträgers, maritim klingende Befehle und die seemännisch schwer aufgerüstete Crew in Wetterhosen, GoreTex Schuhen, Sonnenbrillen mit Sicherheitsleine und Automatikschwimmwesten ereiferte sich über andere Bootsbesatzungen die ja eine Zumutung wären so wie diese fahren würden. Wir fanden das recht amüsant. Um in der nächsten Schleuse nicht wieder warten zu müssen tranken wir erst einmal in aller Ruhe Kaffee und machten dann unseren Schleusengang. Wir waren dabei vielleicht einen Hauch weniger seemännisch, aber dafür umso entspannter. Bei strahlendem Sonnenschein ging es dann über den Garadice Lough und weiter zur Schleuse Nr. 3. Hier bekamen die Pferde von Stephanie ein paar Äpfel und Karotten gefüttert und ich plauderte ein wenig mit der österreichischen Crew die gerade abwärts schleusten und weswegen wir warten mussten. Auch diese Schleuse war dann schnell geschafft und wir landeten in Ballyconell wo wir für die Nacht festmachten. Da unser Urlaub eigentlich komplett in Nordirland hatte stattfinden sollen, hatten wir nun nur noch Pfund im Geldbeutel und mussten erst einmal zum Automaten um uns Euro zu besorgen. Doch in dem Moment als wir unsere Karten einschieben wollten stürzte das System ab. Sofort sah man in der Bank eine Angestellte hektisch werden und nach ein paar Minuten stand der Automat wieder zur Verfügung. Zum Abendessen ging es wie schon im letzten Jahr ins Anglers Rast und wie schon im letzten Jahr waren die Steaks zwar sauteuer, aber superlecker und gigantisch groß.
Auf dem Boot spielten wir noch Backgammon und hörten Music von Chris de Burgh. Nach einigen Guinness gingen wir dann ins Bett. |
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