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| Dienstag, 05.09.2006
Zwar war der Himmel grau in grau als wir aufstanden, aber es hatte bereits aufgehört zu regnen. Nachdem wir nun zwei mal von der Lammkeule gegessen hatten bekam den Knochen mit dem restlichen Fleisch der Hafenhund. In Galloon ist das ein uralter Labrador, den wir schon vom letzten Jahr kannten. Er schien so überrascht von dem Festtagsschmaus, dass er uns nach jedem Bissen anschaute, so als könne er es gar nicht glauben, dass er den Knochen behalten darf.
Immer mit einem Seitenblick auf den Hund
der munter an seinem Knochen nagte, aber keinerlei Notiz von mir nahm,
löste ich gegen neun die Leinen und wir fuhren los. Durch Foalies Cut ging es in den Shannon Erne Waterway, vorbei an Aghalane zur Schleuse Nr. 1, der Corraquill Lock. Hier trafen wir im Vorbeifahren Norbert V mit Crew. Offensichtlich hatte er seine Pläne nach Belleek zu fahren auch aufgegeben und war gleich am Samstag in Richtung Kanal aufgebrochen. Wir würden ihn Freitag bei ABC noch mal treffen und dann sicherlich ein bissel Zeit zum Quatschen haben. Beim Schleusenwärter wollten wir eine Karte kaufen, aber er hatte keine mehr, also lies er uns ganz unbürokratisch einfach so durch die Schleuse. Er wollte seinen Kollegen an der zweiten Schleuse, der Ballyconell Lock anrufen damit der uns eine verkauft. Der wiederum hatte dann zwar eine Karte aber kein Wechselgeld. Wir hatten nur noch 8,50 EUR in Münzen und sonst nur noch große Scheine. Die Zwanziger Karte jedoch kostete 12 EUR. Wir bekamen die Karte dann für 8,50 EUR und der Option die drei Euro nachzuzahlen falls man sich zufällig in Keshcarrigan treffen sollte.
An Schleuse 3 (Skelan Lock) waren dann ein Boot mit Österreichern und die Cornflower von Waveline mit Iren vor uns am Schleusen. Beide Besatzungen hatten so ihre liebe Mühe mit der Technik und den Booten und wir gaben ein paar Tipps. Diesen beiden Booten sollten wir nun in jeder Schleuse begegnen und das hielt uns zeitlich doch sehr auf. Wir mussten dann immer zuerst die Schleuse wieder ablassen um dann selbst einfahren zu können. Der Kanal führte reichlich Hochwasser und an einigen Stellen waren die Wiesen so überspült, dass sich kleine Seen gebildet hatten. Man musste etwas aufpassen, dass man auf der Route blieb. Auch der eine oder andere Brückenbogen schien sehr niedrig. Nach Schleuse 4 (Abnoo Lock) kamen uns eine ganze Armada von ESL Booten vom Typ „Elegance“ entgegen. Alle hatten sie einen Haufen Fahrräder an Bord und waren mit der australischen Fahne und einer grünen Fahne mit einem boxenden Kangaroo beflaggt. Insgesamt waren es 7 oder 8 Boote dieser „Königsklasse“ und wir konnten uns die leuchtenden Augen der ESL-Leute gut vorstellen, als diese Buchung ins Haus flatterte. Das Wetter war an diesem Tag eher bewölkt, aber dennoch lugte immer wieder die Sonne zwischen den Wolken hervor und tauchte den verträumten Kanal in wunderschönes goldenes Licht. In Ballinamore sahen wir den Österreicher dann im Hafen und an Lock Nr. 7 (Ballyduff Lock) fuhren wir dann gemeinsam mit der Cornflower in die Schleuse. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählten uns, dass sie morgen ihr Boot in Glasson abgeben wollten. Wir waren sehr überrascht, war das doch eher die Strecke für mindestens eine Woche als für einen Tag.
Ungefähr ab dem Ballinamore Golfclub setzte ein leichter Nieselregen ein und wir kramten die Regenjacken hervor. Ganz alleine durchquerten wir und die Waveliners im diesigen Licht des Abends den Muckross Lough. In Schleuse Nr. 8 wurden wir dann richtig nass, aber wie der Ire bemerkte „everybody is smiling“. Nach der Schleuse zogen wir uns dann aber doch ins innere des Bootes zurück und fuhren die Strecke bis Keshcarrigan vom Innensteuerstand aus. Dort legten wir an und machten uns gleich ans Abendessen. Es gab heute Chicken Supreme. Ich versuchte noch meine Schwester anzurufen um ihr zum Vierzigsten zu gratulieren, aber sie war nicht erreichbar. Also schickte ich eine SMS. In Regenjacken gingen wir ins Ort und suchten ein Pub. Gerade als wir den Gastraum betraten machte es klick und wir standen im dunkeln. Ein verhaltener Fluch klang durch die Dunkelheit und dann ging das Licht wieder an. Sofort schaltete sich ein großer LCD Fernseher an der Wand ein und zu unserem Entsetzen sahen wir die irische Version der Super Nanny. Nachdem wir die einzigen Gäste waren setzten wir uns direkt an die Theke und tranken da zwei Guinness. Das junge Mädchen an der Theke war fleißig mit SMS schreiben beschäftigt, während wir halb amüsiert, halb genervt das Fernsehprogramm über uns ergehen ließen. Nachdem nichts los war gingen wir nach dem Bier wieder. Am Wochenende hätten wir wohl keinen Platz bekommen denn da ist immer Live Music. Wieder zurück auf dem Boot war dann ein wenig lesen, ein wenig Reisebericht schreiben, noch ein Guinness angesagt …. und gute Nacht. |
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