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Nachts hatte der Sturm mit aller
Heftigkeit begonnen. Unter dem Kiel blubberte das Wasser und auf dem
Dach prasselte der Regen, der Wind zerrte ächzend an den Leinen und das
Schiff schaukelte auf den Wellen. Ab vier Uhr morgens verbrachte ich die
Nacht im Halbschlaf. Ein paar mal stand ich auf um nach dem Rechten zu
sehen; doch alles war in Ordnung - unsere Knoten hielten.
Irgendwann standen wir auf, frühstückten und blickten ratlos auf die sich biegenden Bäume. Sollten wir es wagen weiter zu fahren oder lieber noch im Hafen bleiben? Wir riefen Waveline an und die meinten auf dem Fluss sollte es keine all zu großen Probleme mit dem Fahren geben. Als jedoch einige Privatboote beim Ablegen von Wind weit in den Anleger hineingedrückt wurden hielten wir es doch für besser noch etwas zu warten. Sicher wäre es kein Problem gewesen zu fahren, aber wozu sollten wir uns unnötig Stress machen? Gegen Mittag wurde das Wetter aber etwas besser und so brachen wir auf mit Tagesziel Roosky. Mehr war bei diesem Wetter eh nicht zu schaffen. Als wir nach Tarmonbarry kamen pfiff uns der Wind noch ordentlich um die Ohren und wir machten uns etwas Sorgen wegen dem Lough Forbes. Doch ein Ire mit einem Privatboot beruhigte uns und meinte das wäre alles "no problem". Wir fuhren erst mal in die Schleuse.
Der Sonntagsspaß der Jugendlichen von Tarmonbarry scheint darin zu bestehen an die Schleuse zu gehen und Bootsfahrer zu foppen. Anfänglich fand ich das noch ganz lustig, aber nachdem mir die ersten anfingen Äste aufs Boot zu werfen gingen sie mir dann doch etwas auf den Geist und wir waren froh als der Schleusengang beendet war. Hinter der Schleuse legten wir an weil wir dachten das die Hebebrücke erst angehoben werden müsste, aber eine andere Waveduke-Crew versicherte uns, dass sie schon 2x durchgefahren sind. Wir waren dennoch skeptisch und ließen erst einmal Siggi vorfahren der da etwas mutiger war. Der wiederum hatte dann mit einem Penichette-Kapitän zu kämpfen der immer wieder auf die Brücke zufuhr und im letzten Moment wieder abdrehte und dem armen Siggi ständig im Weg war. Dieser Kapitän sollte uns heute noch ein paar mal zum Seufzen, aber auch zum Lachen bringen. Nachdem Siggi durch die Brücke durch war fuhr ich kurzerhand an dem Holländer vorbei und auch unter der Brücke durch. Wir hatten ungefähr 30 cm Platz. Bei Hochwasser und/oder leeren Tanks würde ich das allerdings auch mit einem kleinen Boot nicht versuchen, sondern auf die Öffnung warten. Auf dem Lough Forbes hatten wir tatsächlich dann auch schon wieder die ersten Sonnenstrahlen und als wir in Roosky ankamen war bereits herrliches Wetter. |
Jetzt ergriff uns der sportliche Ehrgeiz. Rein rechnerisch konnte man es vielleicht sogar noch bis Carrick on Shannon schaffen. Wir alle waren so guter Dinge und vom Wetter wie beflügelt, dass wir das angingen. Über Lough Bofin und Lough Boderg ging es Full Speed. Würden wir es bis 18 Uhr schaffen die Albert Lock zu erreichen? Da Sonntag war war danach Feierabend. Dennoch ging uns Sicherheit und Rücksichtsname vor. Sobald Boote entgegen kamen oder es nah am Ufer vorbeiging nahm ich das Gas weg. Immer wieder kamen uns Boote von Carrick Craft und Emerald Star entgegen die wohl auch den Mittag und das Ende des Sturms abgewartet hatten um loszufahren. Um fünf nach Sechs erreichten wir die Schleuse und waren damit eigentlich fünf Minuten zu spät dran, aber Stephis Verhandlungsgeschick und zwei Dosen Guinness öffneten für uns noch einmal die Tore. Ab jetzt hatten wir alle Zeit der Welt und so fuhren wir ganz gemütlich den Jamestown Canal entlang. Für mich persönlich ist dieser Kanal einer der schönsten Abschnitte am Shannon.
Nach dem Lough Corry erreichten wir Carrick on Shannon. Man merkt hier sofort das diese Stadt ganz auf den Bootstourismus eingestellt ist. Überall findet man Pubs mit Live-Music, Souvenirshops und Bootszubehörläden. Wir legten bei Carrick Craft am Steg an und trotz des Hinweisschilds, dass es 10 EUR Liegegebühr kostet, blieben wir davon verschont.
Nach dem Essen fanden wir fünf uns wieder zusammen und machten einen Stadtbummel z.B. schauten wir uns die kleinste Kapelle Europas an, allerdings nur von außen.
Stephi und ich landeten dann noch in einem Pub mit Live-Music, aber irgendwie war es uns zu hell und auch zu laut und so gingen wir nach einem Bier zurück aufs Boot und machten es uns dort noch gemütlich.
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